Mit Leistung kommst du weit – aber nicht überall hin

Habt ihr euch einmal folgende Frage gestellt: Wie soll in meiner Vorstellung ein gutes und chancengleiches Zusammenleben in der Gesellschaft funktionieren? Mit der persönlichen Arbeitsleistung kommt man zwar in Sachen Karriere und Gehalt recht weit, doch es gibt einen Zustand, welchen man dadurch nie erreichen kann. Welcher dies ist und welche Auswirkungen damit verbunden sind, lest ihr hier …

 

Es betrifft uns alle!

Anfang dieser Woche war ich bei einer Buchpräsentation, die mir per Newsletter aus meinem SoziologInnen-Netzwerk empfohlen wurde. Schon lange nahm ich mir vor, derartige Veranstaltungen wiederum wahrzunehmen. Das Soziologie Studium hat mir immer Spaß bereitet und ich konnte für mich auch wirklich immer etwas mitnehmen – das ist nicht selbstverständlich. Wahrscheinlich, weil die Soziologie mir hilft meine Umwelt besser zu verstehen: Warum passiert in unserer Gesellschaft etwas genauso wie es passiert? Warum entstehen Ungleichgewicht und welche Auswirkungen hat dies auf unsere Gesellschaft? Diese und natürlich viele weitere Fragen werden dort mit den verschiedensten Theorien versucht zu erklären. Deshalb war ich schon recht gespannt auf das neue Buch von Martin Schürz, welches den eher nüchternen Namen “Überreichtum” trägt. Es geht um die Verteilung von Geld in unserer Gesellschaft. Naja, klang jetzt auf den ersten Blick nicht allzu spannend, da ich mich für das Thema “Reichtum” nicht ganz so sehr begeistern kann, wie für viele andere Themen in unserer Gesellschaft. Trotzdem passte der Termin ganz gut und somit ging ich – ohne jeglichen Erwartungen und Vorerfahrungen – hin und ließ mich überraschen. Dies wurde ich auch, sehr sogar, so wie ich es eigentlich von den Vorlesungen aus der Uni gewohnt war und ich ging mit vielen neuen Ideen und Meinungen nach Hause. Ich weiß, dass großartige theoretische und fast schon philosophische Ausführungen nicht jedermanns Sache sind. Ich habe trotzdem beschlossen mit euch ein paar Gedanken und Theorien zu teilen, in der Hoffnung, dass diese auch euch ein wenig zum Nachdenken anregen werden. Es betrifft uns alle – wir leben gemeinsam in der westlichen Gesellschaft, wahrscheinlich in Österreich und “unterstehen” somit derselben Regierung, die mit Gesetzgebungen etc. unser gesellschaftliches Miteinander bestimmen.

 

Es ist egal wie viel du dich anstrengst und leistest!

Irgendwie begann alles mit dem Philosophen Platon, der schon in der Antike meinte, dass Überreichtum, also der exzessive Reichtum, nicht glücklich mache, weil er nicht tugendhaft sei. Ihr seht, das Thema ist an sich schon recht alt, doch immer noch präsent und vor allem kontrovers. Überreichtum ist recht schwer zu definieren, weil dieser an keiner numerischen Grenze festgemacht wird. Überreichtum wird aber dadurch geprägt, dass dieser Status nur wenigen in einer Gesellschaft zugänglich ist – meistens jenen, die geerbt haben. Überreichtum lässt sich also durch die eigene Leistung – egal wie viel man sich anstrengt oder wie viele Stunden man arbeitet – nicht erreichen. Diese Tatsache ist per se schon eine Ungleichheit in unserer Gesellschaft und lässt sich so schon mal in Frage stellen: Wie kann es überhaupt sein, dass nicht jede/r von uns dieselben Chancen hat alles zu erreichen? Entweder du hast großes Glück und wirst in eine sehr wohlhabende Familie hineingeboren und hast somit Zugang zum sogenannten “Überreichtum” oder eben nicht. Was ich persönlich sehr spannend im Zuge der Buchpräsentation fand, war, dass gerade Gefühlszuschreibungen für die Privilegien der Überreichen von Bedeutung sind: Neid und Hass werden vorwiegend den “Armen” als Laster zugeschrieben, wobei Großzügigkeit und Mitleid den Überreichen als Tugenden vorbehalten sind. Im Speziellen wurde in diesem Kontext die Vermögenssteuer diskutiert, die schon alleine im Sinne der Vermeidung einer Vermögenskonzentration von großer Bedeutung für die Demokratie ist.

 

Ein paar Wenige besitzen so viel wie der Rest des Landes!

Spannend war auch, wie genau mit diesen Gefühlszuschreibungen Politik betrieben wird: Menschen, die wenig besitzen, verbünden oder solidarisieren sich mehr mit den Überreichen als mit jenen die noch weniger haben – wobei letzteres mehr Sinn und vor allem mehr Effektivität gerade für sie selbst bringen würde. Dies ist aber ein gesellschaftliches Phänomen, welches ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Spendet beispielsweise eine Heidi Horten einen kleinen Bruchteil ihres gesamten Vermögens, der ihr so überhaupt nicht auffallen bzw. nicht ins Gewicht fallen würde, dann schreibt man ihr Großzügigkeit zu. Bekommt eine (ausländische) Familie mehr Sozialleistungen, dann wird dies sofort in Frage gestellt und meistens steht hinter all dem Neid als Treiber dieses Diskurses. Eine Gesellschaft kann einfach nicht funktionieren, wenn ein paar wenige Überreiche so viel besitzen, wie der Rest des Landes, also mehr als ein paar Millionen Menschen zusammen. Hier sollte die Politik eine “ausgleichende” Wirkung haben, bzw. darauf Acht geben, dass die Vermögensverteilung gerechter wird. Doch was ist in diesem Zusammenhang das große Problem? Die führenden PolitikerInnen priorisieren selbst die Seite der Überreichen, denn es muss auch nach der politischen Karriere vorgesorgt werden. Da zieht man natürlich seine Vorteile eher von dieser Seite als von der anderen, sprich von den “Armen”.

 

Es sind spannende gesellschaftskritische Fragen, die sich hier aufgetan haben – doch es sind und bleiben Fragen, die man so einfach nicht beantworten kann. Nicht einmal der Autor Martin Schürz, selbst Ökonom, maßt es sich nicht an, hier adäquate Lösungsvorschläge zu geben. Doch auch wenn es keine befriedigenden Antworten gibt, finde ich es wichtig, sich selbst diese Art von Fragen zu stellen: Wie soll in meiner Vorstellung ein gutes und chancengleiches Zusammenleben in der Gesellschaft funktionieren?

 

**Ani**

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