Für mehr Panelgerechtigkeit: #OhneFrauenOhneUns – und die Männer rasten aus!

Gender Balance oder Geschlechtergerechtigkeit ist immer noch ein heiß diskutiertes Thema – im privaten aber vor allem im Business Bereich! Eine neue Kampagne, die sich für paritätisches Panelprinzip ausspricht, ging letzte Woche in den sozialen Medien viral. Vor allem die meist männlichen kritischen Kommentare waren erschreckend, sodass auch ich mich nicht mehr zurückhalten konnte …

 

Mann/Mann/Mann/Mann: Willkommen im Jahr 2019!

Wir schreiben das Jahr 2019 – fast 2020 – und noch immer haben wir hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter einen langen Weg vor uns. Es gibt ja immer wieder Stimmen, die meinen, dass sich Frauen nicht aufregen sollen: Sie haben doch dieselben Chancen wie Männer! Es liegt einfach daran, dass sie diese nicht in Anspruch nehmen. Kann sein. Doch die Frage ist: Warum tun sie es nicht? Und sich einfach zurückzulehnen nach dem Motto “Tja, Pech gehabt” kann doch auch kein Lösungsvorschlag sein, oder? Ich persönlich setze mich sehr für das Thema Gleichstellung/Gerechtigkeit/Gender Balance ein. In meinem Umfeld müssen sich meine männlichen Kollegen oft ein paar Ausführungen dazu anhören bzw. weise ich sie recht oft auf Themen hin, sodass sie sich dafür sensibilisieren. Zum Glück passiert dies nicht oft, da gerade im Personalbereich überwiegend Frauen arbeiten, somit eine gewisse Grundsensibilisierung bereits besteht. Es ist also nicht mein Umfeld, welches mich oft aufschrecken lässt. Es sind eher manche Kommentare von Männern in den sozialen Medien. So letzte Woche passiert: Die Berliner Digitalagentur TLGG (Torben, Lucie und die gelbe Gefahr), die durch Gründungsmitglied Fränzi Kühne bekannt wurde, machte mit einer Online Kampagne auf sich aufmerksam. Sie fordert nämlich Gender Balance bei Paneldiskussionen, da diese meist immer noch rein durch männliche Diskutanten besetzt werden. Fränzi Kühne war letztes Jahr mit 34 Jahren die jüngste Aufsichtsrätin in Deutschland. Vor allem, aber nicht nur dadurch, bekamen sie und ihre KollegInnen in der Agentur nun recht häufig Anfragen für so genannte Panels, genau genommen waren es 300 SpeakerInnen-Anfragen in diesem Jahr. Sie merkten aber recht schnell, dass die Frauen, die sie auf die Bühne schickten, oft nur Alibis waren und somit mit ihren tollen Ideen diskreditiert wurden. Die Geduld war nun zu Ende und sie forderten: Mehr Frauen auf den Panels dieser Welt! Ohne Frauen ohne uns!

 

Und die Männer rasten aus!

Als ich von dieser Aktion auf LinkedIn gelesen hatte, war ich von mir selbst überrascht, da mir dies persönlich noch gar nicht so bewusst war, dass bei Podiumsdiskussionen oft nur männliche Experten geladen waren. Aber es stimmt, wenn ich so zurückdenke, saßen oft mehr Männer auf den Bühnen als Frauen. Diese Unterrepräsentation von Frauen auf den Bühnen dieser Welt muss sichtbar gemacht werden, weshalb ich die Kampagne nur unterstützen kann. Dafür gab es sogleich ein “Daumenhoch” und einen motivierten Kommentar von mir. Natürlich ging die Aktion sofort viral, da es viele (oftmals weibliche) UnterstützerInnen gab, aber natürlich auch viele, die es kritisch sahen (leider vor allem Männer). Es interessierte mich, welche Kommentare dafür und dagegen abgegeben wurde, und so verfolgte ich das Posting über ein paar Tage. Doch gleich nach dem ersten Tag platzte mir der Kragen, als ich folgenden Kommentar eines Mannes gelesen hatte:

 

Die Aussagen von Personen abhängig vom Geschlecht zu bewerten ist doch Sexismus par excellence. Alle die in reinen Männerpanels Sexismus erkennen, verhalten sich selbst sexistisch.

 

Normalerweise bin ich bei Kommentaren in den sozialen Medien immer recht zurückhaltend, doch in diesem Fall konnte ich es nicht. Diese altverstaubte Männerlogik musste ich widerlegen, oder zumindest kontern. In einer Welt, die auf männlichen Strukturen (Patriarchat) baut, in der männliche Experten zu einem Thema diskutieren – welchen Mehrwert soll dies haben? Es ist doch mehr als verstaubt (und dies im Jahr 2019) zu glauben, dass in fachlichen Diskussionen noch ein Mehrwert entsteht, wenn keine Frauen ihre Sichtweise einbringen?! Ich glaub, ich muss hier nicht mehr auf die verschiedensten Studien hinweisen die dies bekräftigen würden. So musste ich eben meine Meinung kundtun und wartete gespannt auf eine Gegenreaktion, die natürlich nicht lange auf sich warten ließ – mich aber umso mehr erstaunte:

 

Wenn bei bestimmten Themenbereichen keine qualifizierten Frauen zu finden sind dürfte nach Ihrer Logik kein Panel dazu geführt werden. Damit diskriminieren Sie Männer.

 

Es gibt wirklich noch Menschen da draußen die wirklich denken, dass es in gewissen Bereichen keine qualifizierten Frauen gibt! Was läuft hier denn falsch? Ich war geschockt und traurig zu gleich. Dies konnte ich natürlich so nicht im Raum stehen lassen und fragte ihn, wie er dann darauf komme? Männer weisen sich oft auch nur rascher als sogenannte “Experten” aus als Frauen, die wahrscheinlich 10mal öfter überlegen, ob sie diesen oder jenen Schritt überhaupt wagen würden. Erst vorhin scrollte ich nochmals durch die verschiedensten Kommentare und musste mit Schrecken feststellen, dass sich hier klare Diskussionen zwischen Männern und Frauen aufgetan haben. Oftmals gingen den Männern die Argumente aus, dann wurden sie sarkastisch und persönlich – und dies in einem Business Netzwerk.

 

Es gibt noch viel zu tun, damit Geschlechtergerechtigkeit wirklich gelebt wird und vor allem in den Köpfen aller verankert wird. Es sind aber vor allem diese Aktionen, wie jene von TLGG, die uns einen Schritt weiterbringen und für Sensibilisierung sorgen.

 

**Ani**

Share your thoughts

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.